Leitfaden
Unternehmen verkaufen in Österreich: Ablauf, Kosten, Dauer (2026)
Unternehmen verkaufen in Österreich: 9 Phasen, realistische Dauer, Kosten für Berater und Notar, Steuern, Share vs. Asset Deal und Checkliste. Stand 2026.
- Autor
- Redaktion unlistd
- Geprüft:
- unlistd-Partnerkreis
- Zuletzt aktualisiert:
- 15 Min. Lesezeit
€ 2,9–3,8 Mio.
Inhalt
- Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Verkauf?
- Ablauf: Unternehmensverkauf in 9 Phasen
- Was kostet ein Unternehmensverkauf?
- Unternehmenswert verstehen
- Share Deal oder Asset Deal?
- Steuern beim Unternehmensverkauf
- Käufertypen: Wer kauft Unternehmen in Österreich?
- Unternehmensbörse, M&A-Berater oder Off-Market?
- Die 8 häufigsten Fehler beim Firmenverkauf
- Checkliste: Unternehmen verkaufen
- Wien-Spezifika: Was beim Firmenverkauf in Wien dazukommt
- So unterstützt Sie unlistd
Österreich steht mitten in einer Nachfolgewelle. Bis 2035 stehen rund 56.600 Arbeitgeberbetriebe mit knapp 780.000 Beschäftigten vor einer möglichen Übergabe (WKO / KMU Forschung Austria). 2024 wurden 7.792 Unternehmen übernommen (WKO Factsheet), rund ein Viertel davon in Wien (WK Wien).
Es gibt also Käufer, aber auch viel Angebot. Wer gut vorbereitet ist und realistisch bewertet, verkauft schneller und zu besseren Konditionen. Dieser Leitfaden beschreibt den Ablauf nach österreichischem Recht, mit aktuellen Zahlen und den Fehlern, die wir in der Praxis am häufigsten sehen.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für den Verkauf?
Am besten verkaufen Sie, wenn Ergebnis und Markt wachsen und Sie selbst bereit sind loszulassen. Käufer bezahlen für Wachstum und Planbarkeit. Wer aus steigenden Ergebnissen heraus verkauft, erzielt einen höheren Multiple als ein Inhaber, der nach zwei schwachen Jahren aufgibt.
Drei Signale sprechen dafür, jetzt zu beginnen:
- Sie sind 55 oder älter und haben keinen Nachfolger in Familie oder Team. Mit drei bis fünf Jahren Vorbereitung liegt das Closing rund um das 60. Lebensjahr. Ab dann ist beim Einzelunternehmen der Hälftesteuersatz möglich.
- Ihre Branche konsolidiert sich. Wenn Plattformen und Mitbewerber aktiv zukaufen, sind die Preise meist höher als in ein paar Jahren, wenn die attraktivsten Ziele vergeben sind.
- Große Investitionen stehen an. Ob Digitalisierung, neue Maschinen oder ein Standortwechsel: Häufig ist es klüger, diese Entscheidung einem Käufer mit frischem Kapital zu überlassen.
Ungünstig ist ein Verkauf aus der Not, etwa nach einem Krankheitsfall, dem Verlust eines Großkunden oder einem Gesellschafterstreit. Dann bestimmt der Zeitdruck den Preis. Arbeiten Sie deshalb an der Übergabefähigkeit, auch wenn der Verkauf noch Jahre entfernt ist. Ein übergabefähiges Unternehmen ist meist auch besser geführt.
Ablauf: Unternehmensverkauf in 9 Phasen
Jede Phase liefert ein Ergebnis, auf dem die nächste aufbaut. Die Zeitangaben sind Richtwerte für einen strukturierten Verkauf eines KMU mit 1 bis 20 Mio. € Umsatz.
| Phase | Was passiert | Ergebnis | Typische Dauer |
|---|---|---|---|
| 1. Vorbereitung | Inhaberabhängigkeit senken, Zahlen bereinigen, Verträge ordnen | Übergabefähiges Unternehmen | 1–5 Jahre vorher |
| 2. Bewertung | Wertbandbreite nach KFS/BW 1 und Multiplikatoren | Realistische Preisvorstellung | 2–6 Wochen |
| 3. Verkaufsunterlagen | Teaser, NDA, Information Memorandum, Datenraum | Vermarktungsfähiges Paket | 4–8 Wochen |
| 4. Käuferansprache | Long-List, Short-List, vertrauliche Ansprache | 3–10 ernsthafte Interessenten | 1–3 Monate |
| 5. Angebote & LOI | Indikative Angebote, Managementgespräche, Absichtserklärung | Unterschriebener LOI mit Exklusivität | 1–2 Monate |
| 6. Due Diligence | Prüfung von Finanzen, Steuern, Recht, Markt | Bestätigter Kaufpreis, Risikoliste | 1–3 Monate |
| 7. Kaufvertrag | Verhandlung von Preis, Garantien, Struktur | Unterschriebener Vertrag (Signing) | 3–8 Wochen |
| 8. Closing & Übergabe | Kaufpreiszahlung, Anteils- bzw. Betriebsübergang | Eigentumsübergang | Tag X bis wenige Wochen |
| 9. Nach dem Closing | Firmenbuch, Gewerbe, SVS, Finanzamt, Kommunikation | Abgeschlossene Übergabe | 3–24 Monate Begleitung |
Phase 1: Vorbereitung und Übergabefähigkeit
Käufer kaufen künftige Erträge und fragen, ob diese ohne Sie weiterlaufen. Familienexterne Übergaben brauchen deshalb in der Regel drei bis fünf Jahre Vorlauf (WK Wien – Übergabe-Consultants). In dieser Zeit bauen Sie eine zweite Führungsebene auf, dokumentieren Prozesse, verlängern wichtige Kunden- und Mietverträge und trennen private von betrieblichen Ausgaben.
Wo Sie heute stehen, zeigt der Übergabe-Readiness-Check in rund zehn Minuten.
Phase 2: Unternehmensbewertung
Referenz in Österreich ist das Fachgutachten KFS/BW 1. Es wurde am 6. November 2025 neu gefasst und gilt für Bewertungen, die nach dem 30. Juni 2026 beauftragt werden (ICON). Im Verkaufsprozess plausibilisiert man den Wert zusätzlich mit Multiplikatoren auf das bereinigte EBITDA. Mehr dazu unten im Abschnitt „Unternehmenswert verstehen“.
Phase 3: Verkaufsunterlagen
Drei Dokumente bilden das Rückgrat jedes Prozesses:
- Teaser: 1–2 Seiten, anonym, mit Branche, Region, Umsatz- und Ergebnisbandbreite und den Highlights.
- NDA: Vertraulichkeitsvereinbarung, die jeder Interessent vor Erhalt von Details unterschreibt.
- Information Memorandum: die ausführliche Unternehmensbeschreibung, oft 40–80 Seiten (CT Acquisitions).
Wie Sie diese Unterlagen aufbauen, erklärt der Ratgeber Teaser, NDA, Information Memorandum.
Phase 4: Käuferansprache
Aus einer Long-List (oft 30–100 Adressen) wird eine Short-List. Angesprochen werden je nach Unternehmen strategische Käufer, Beteiligungsgesellschaften mit Buy-and-Build-Strategie, Family Offices, Search Funds und MBI-Kandidaten. Ein Gerücht im Markt kann Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten verunsichern, daher erfolgt die Ansprache vertraulich.
Phase 5: Indikative Angebote und LOI
Interessenten geben nach Lektüre des Information Memorandums ein unverbindliches Angebot mit Preisrahmen und Struktur ab. Mit dem bevorzugten Käufer unterschreiben Sie einen Letter of Intent: Er hält Preisrahmen, Struktur, Zeitplan und eine befristete Exklusivität fest.
Phase 6: Due Diligence
Der Käufer prüft Ihr Unternehmen im virtuellen Datenraum: Jahresabschlüsse, Steuerbescheide, Verträge, Mitarbeiter, IT, Rechtsstreitigkeiten. Je besser Sie vorbereitet sind, desto weniger Preisabschläge werden nachverhandelt. Die Due-Diligence-Checkliste für Verkäufer hilft beim Aufbau des Datenraums.
Phase 7: Kaufvertrag
Im Kaufvertrag werden Preis, Zahlungsmodalitäten, Garantien, Haftungsgrenzen, Wettbewerbsverbot und Übergangsbegleitung geregelt. Beim Verkauf von GmbH-Anteilen ist in Österreich ein Notariatsakt zwingend (§ 76 Abs 2 GmbHG).
Phase 8: Closing und Übergabe
Am Closing fließt der Kaufpreis, und das Eigentum geht über. Häufig wird nicht der gesamte Preis sofort bezahlt: Ein Earn-out knüpft einen Teil an künftige Ergebnisse, ein Verkäuferdarlehen stundet einen Teil. Beides erweitert den Käuferkreis, verlagert aber Risiko zu Ihnen.
Phase 9: Nach dem Closing
Es folgen Firmenbucheintragung, Gewerbeanmeldung des Übernehmers bzw. Zurücklegung Ihres Gewerbes, Meldung an SVS und Finanzamt sowie neue Bankvollmachten. Dazu kommt die abgestimmte Kommunikation an Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten.
Was kostet ein Unternehmensverkauf?
Die Kosten eines Unternehmensverkaufs setzen sich aus Beraterhonoraren, Notar- und Gerichtsgebühren sowie der Steuer auf den Veräußerungsgewinn zusammen. Die Steuer ist fast immer der größte Einzelposten, das Beraterhonorar der zweitgrößte.
| Kostenposition | Übliche Größenordnung | Wann sie anfällt |
|---|---|---|
| M&A-Berater (Erfolgshonorar) | 3,5–5 % des Kaufpreises (DACH) | Bei Closing |
| M&A-Berater (Mindesthonorar) | ca. 50.000–100.000 € | Wenn der Prozentsatz darunter läge |
| Retainer / monatliche Pauschale | Je nach Berater, häufig auf das Erfolgshonorar angerechnet | Laufend während des Mandats |
| Bewertungsgutachten nach KFS/BW 1 | Nach Aufwand, abhängig von Größe und Komplexität | Phase 2 |
| Steuerberatung (Strukturierung, Steuerplanung) | Nach Stunden oder Pauschale | Phasen 1, 6, 7 |
| Rechtsberatung (LOI, Kaufvertrag, Legal DD) | Nach Stunden oder Pauschale | Phasen 5–7 |
| Notar (Notariatsakt, Firmenbuch) | Nach Notariatstarif, wertabhängig; Pauschalen verhandelbar | Phase 7–9 (nur bei GmbH-Anteilen zwingend) |
| Steuer auf den Veräußerungsgewinn | 27,5 % (GmbH-Anteile) bzw. Einkommensteuertarif mit Begünstigungen | Mit der Veranlagung |
Quelle für Honorare: ChannelPartner; Steuersätze: WK Wien.
Rechenbeispiel: Bei einem Kaufpreis von 3 Mio. € und einem Erfolgshonorar von 4 % beträgt das Beraterhonorar 120.000 €. Bei 1 Mio. € Kaufpreis ergäben 4 % nur 40.000 €, hier greift häufig das Mindesthonorar. Deshalb nehmen viele M&A-Boutiquen Mandate unter 2 Mio. € Kaufpreis ungern an.
Eine detaillierte Aufstellung finden Sie im Ratgeber Was kostet ein Unternehmensverkauf?.
Unternehmenswert verstehen
Der Unternehmenswert ist der Barwert der künftigen, übertragbaren Erträge. Das Wort „übertragbar“ ist zentral. Die Neufassung des KFS/BW 1 betont, dass Ertragsbeiträge des Inhabers und von Schlüsselpersonen nicht übertragbar sind, wenn sie ohne deren Mitwirkung nicht weiterlaufen (ICON).
In der Praxis arbeiten Käufer mit zwei Blickwinkeln:
- Ertragswert- oder DCF-Verfahren nach KFS/BW 1: die fachliche Bewertung auf Basis einer plausiblen Planung.
- Multiplikatorverfahren: bereinigtes EBITDA mal Branchenmultiple. Im DACH-Mittelstand reicht die Bandbreite etwa von 4,5x (Micro-Cap Handwerk) bis 11x (Upper Lower Mid-Market) (CT Acquisitions).
Aus dem Multiplikator ergibt sich der Unternehmenswert (Enterprise Value). Der Kaufpreis für die Anteile (Equity Value) ist der Enterprise Value minus Finanzverbindlichkeiten plus überschüssige liquide Mittel.
Rechenbeispiel: Ein Wiener IT-Dienstleister erzielt ein bereinigtes EBITDA von 600.000 €. Mit einem Multiple von 7,0x ergibt sich ein Enterprise Value von 4,2 Mio. €. Bei 400.000 € Bankverbindlichkeiten und 300.000 € überschüssiger Liquidität beträgt der Equity Value 4,1 Mio. €.
Wertsteigernd wirken wiederkehrende Umsätze, geringe Kundenkonzentration, eine zweite Führungsebene und Wachstum. Abschläge bringen hohe Inhaberabhängigkeit, ein Großkunde mit über 30 % Umsatzanteil und ein kleines EBITDA. Eine erste Bandbreite für Ihre Branche liefert der Unternehmenswert-Rechner; die Branchen-Bandbreiten stehen im Multiples-Report Österreich. Die Methoden im Detail erklärt unser Pillar Unternehmensbewertung in Österreich.
Share Deal oder Asset Deal?
Die Struktur entscheidet über Steuer, Haftung und Aufwand. Beim Share Deal verkaufen Sie Anteile an einer Gesellschaft, beim Asset Deal den Betrieb selbst, also einzelne Wirtschaftsgüter, Verträge und Kundenstamm. Einzelunternehmen können nur per Asset Deal verkauft werden.
| Kriterium | Share Deal | Asset Deal |
|---|---|---|
| Kaufgegenstand | GmbH-Anteile (bzw. Gesellschaftsanteile) | Betrieb bzw. einzelne Wirtschaftsgüter |
| Form | Notariatsakt zwingend (§ 76 GmbHG) | Grundsätzlich formfrei; Liegenschaften grundbuchsfähig |
| Verträge | Bleiben in der Gesellschaft (Change-of-Control-Klauseln prüfen) | Gehen nach § 38 UGB über; Vertragspartner können widersprechen |
| Mitarbeiter | Bleiben bei der Gesellschaft | Gehen nach § 3 AVRAG auf den Erwerber über |
| Haftung Käufer | Gesellschaft haftet für alles Bisherige weiter | § 1409 ABGB, § 14 BAO (Abgaben), § 38 UGB |
| Steuer Verkäufer | 27,5 % auf den Gewinn (Privatvermögen) | Einkommensteuertarif, mit Begünstigungen |
| Steuer Käufer | Firmenwert grundsätzlich nicht abschreibbar | Firmenwert über 15 Jahre abschreibbar |
| Umsatzsteuer | Anteilsverkauf umsatzsteuerfrei | Veräußerung der Wirtschaftsgüter grundsätzlich umsatzsteuerpflichtig |
Quellen: WK Wien, WKO zu § 38 UGB und § 1409 ABGB.
Verkäufer bevorzugen meist den Share Deal (klar, steuerlich einfach), Käufer häufig den Asset Deal (Abschreibung, weniger Altlasten). Gelöst wird das oft über den Preis: Verzichtet der Käufer auf den Steuervorteil des Asset Deals, fließt das in den Kaufpreis ein. Den Vergleich mit Rechenbeispielen finden Sie unter Share Deal oder Asset Deal.
Steuern beim Unternehmensverkauf
Wie viel vom Kaufpreis bei Ihnen ankommt, hängt von der Rechtsform und von Ihrem Alter ab.
Verkauf von GmbH-Anteilen
Gewinne aus dem Verkauf von GmbH-Anteilen im Privatvermögen unterliegen dem besonderen Steuersatz von 27,5 % (WK Wien). Begünstigungen wie der Hälftesteuersatz gibt es dafür nicht.
Rechenbeispiel: Sie verkaufen 100 % Ihrer GmbH-Anteile um 2,0 Mio. €. Ihre Anschaffungskosten (Stammeinlage plus Zuschüsse) betragen 35.000 €. Der Veräußerungsgewinn von 1.965.000 € wird mit 27,5 % besteuert: 540.375 €.
Verkauf eines Einzelunternehmens oder Personengesellschaftsanteils
Der Veräußerungsgewinn (Kaufpreis minus Buchwert des Kapitals) wird nach dem Einkommensteuertarif versteuert, der 2026 bis zu 55 % erreicht (Trauner Datenblatt 2026). Drei Begünstigungen mildern das. Sie schließen einander teilweise aus:
| Begünstigung | Voraussetzung | Wirkung | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|---|
| Freibetrag | Verkauf des ganzen Betriebs | 7.300 € steuerfrei (bei Teilbetrieb anteilig) | § 24 Abs 4 EStG |
| Dreijahresverteilung | 7 Jahre seit Eröffnung oder letztem entgeltlichen Erwerb, auf Antrag | Gewinn wird gleichmäßig auf 3 Jahre verteilt | § 37 Abs 2 Z 1 EStG |
| Hälftesteuersatz | 60. Lebensjahr vollendet und Erwerbstätigkeit eingestellt (oder Tod, Erwerbsunfähigkeit); 7-Jahres-Frist; auf Antrag | Halber Durchschnittssteuersatz auf den Veräußerungsgewinn | § 37 Abs 5 EStG |
Der Freibetrag steht nicht zu, wenn Sie die Dreijahresverteilung oder den Hälftesteuersatz nutzen (§ 24 Abs 4 EStG). Eine Erwerbstätigkeit im Sinne des Hälftesteuersatzes liegt nicht vor, wenn der Gesamtumsatz 22.000 € und die Einkünfte 730 € im Kalenderjahr nicht übersteigen (§ 37 Abs 5 EStG).
Rechenbeispiel (vereinfacht, ohne Sozialversicherung und Absetzbeträge, Tarif 2026): Eine 62-jährige Einzelunternehmerin verkauft ihren Betrieb mit einem Veräußerungsgewinn von 600.000 € und hat im Verkaufsjahr keine weiteren Einkünfte.
| Variante | Steuer auf den Veräußerungsgewinn |
|---|---|
| Normaler Tarif | ca. 283.700 € |
| Mit Freibetrag 7.300 € | ca. 280.100 € |
| Dreijahresverteilung (je 200.000 € in 3 Jahren) | ca. 251.200 € |
| Hälftesteuersatz (Durchschnittssatz 47,3 % halbiert = 23,6 %) | ca. 141.900 € |
Der Hälftesteuersatz spart in diesem Rechenbeispiel rund 140.000 €. Ihre eigene Konstellation rechnen Sie mit dem Steuerrechner Unternehmensverkauf durch; die Details erklärt der Ratgeber Hälftesteuersatz bei Betriebsveräußerung. Die Struktur klären Sie mit Ihrer Steuerberatung, und zwar vor dem LOI.
Käufertypen: Wer kauft Unternehmen in Österreich?
Käufer mit unterschiedlichen Plänen zahlen unterschiedliche Preise. Ein guter Prozess spricht mehrere Käufertypen parallel an.
| Käufertyp | Motiv | Typisches Ticket | Was Sie erwarten können |
|---|---|---|---|
| Strategischer Käufer (Mitbewerber, Lieferant, Kunde) | Marktanteile, Regionen, Know-how, Synergien | Alle Größen | Oft höchster Preis, aber Integration und Diskretionsrisiko |
| Private Equity / Buy-and-Build-Plattform | Zukäufe zu einer bestehenden Plattform | Ab ca. 0,5 Mio. € EBITDA | Professioneller Prozess, häufig Rückbeteiligung oder Earn-out |
| Family Office | Langfristige Beteiligung, Vermögenserhalt | Breit, oft 1–20 Mio. € | Geduldiges Kapital, wenig Weiterverkaufsdruck |
| Search Fund / MBI | Unternehmer sucht „sein“ Unternehmen | Meist 1–15 Mio. € | Persönliche Nachfolge, Finanzierung über Investoren und Bank |
| Management-Buy-out (MBO) | Führungskräfte übernehmen | Klein bis mittel | Kontinuität, oft mit Verkäuferdarlehen |
| Familie | Weitergabe innerhalb der Familie | Alle Größen | Oft Schenkung oder begünstigter Kaufpreis |
Der Markt für Zukäufe ist lebendig: Add-on-Käufe machten im ersten Halbjahr 2026 mehr als die Hälfte aller weltweiten Private-Equity-Deals aus (Preqin). In Österreich gibt es Schätzungen zufolge bis zu 200 Family Offices (trend). Wie diese Käufer denken, beschreibt der Ratgeber Family Offices als Käufer.
Unternehmensbörse, M&A-Berater oder Off-Market?
Es gibt drei Wege, einen Käufer zu finden. Sie unterscheiden sich in Reichweite, Diskretion und Kosten.
| Kriterium | Unternehmensbörse (z. B. WKO-Nachfolgebörse) | Klassischer M&A-Berater | Off-Market-Marktplatz (z. B. unlistd) |
|---|---|---|---|
| Kosten für Verkäufer | Kostenlos bis gering | Retainer + 3,5–5 % Erfolgshonorar | Erstschritt kostenlos; Erfolgshonorar erst bei begleitetem Verkauf über Partner |
| Diskretion | Anonymes Inserat, aber öffentlich einsehbar | Hoch, gezielte Ansprache | Hoch: Teaser nur für geprüfte Käufer nach NDA |
| Käuferkreis | Breit, viele Privatpersonen und Selbstsucher | Netzwerk des Beraters | Kuratierte Investoren, Family Offices, Strategen, Searcher |
| Aktivität | Passiv, Sie warten auf Anfragen | Aktiv | Aktives Matching nach Suchprofil |
| Prozessbegleitung | Keine (Beratung der WKO extra) | Komplett | Koordination; Abwicklung durch M&A-, Steuer-, Rechts- und Notarpartner |
| Geeignet für | Kleinere Betriebe, Gastronomie, Einzelhandel | Kaufpreise ab ca. 2–5 Mio. € | Ca. 0,5–20 Mio. € Kaufpreis, sensible Fälle |
Die WKO-Nachfolgebörse ist ein wichtiges, kostenloses Angebot und hat über 1.000 aktive Inserate (WKO). Institutionelle Käufer suchen aber meist über Berater-Netzwerke und kuratierte Deal-Listen. Bei unlistd inserieren Sie anonym auf dem Off-Market-Marktplatz, geprüfte Käufer sehen nur den Teaser, und Sie geben jede Offenlegung einzeln frei. Wie das im Detail geschützt ist, erklärt die Seite Vertraulichkeit. Eine ausführliche Entscheidungshilfe bietet der Ratgeber Unternehmensbörse, Berater oder Off-Market.
Die 8 häufigsten Fehler beim Firmenverkauf
- Zu spät beginnen. Wer mit 64 aus gesundheitlichen Gründen verkaufen muss, verhandelt aus der Defensive. Drei bis fünf Jahre Vorlauf sind realistisch.
- Preisvorstellung aus dem Bauch. Welchen Preis Sie persönlich brauchen, ist für Käufer irrelevant. Ohne Bewertung scheitern Gespräche oft erst nach Monaten.
- Unbereinigte Zahlen. Private Kfz, Familienangehörige auf der Payroll oder einmalige Sonderaufwände verzerren das EBITDA in beide Richtungen.
- Alles hängt am Inhaber. Wenn Sie alle Kunden persönlich betreuen, kaufen Käufer ein Risiko. Das senkt den Preis oder verschiebt ihn in einen Earn-out.
- Diskretion unterschätzt. Ein öffentliches Inserat mit erkennbaren Merkmalen oder ein Gespräch ohne NDA kann Schlüsselmitarbeiter und Kunden kosten.
- Nur mit einem Käufer sprechen. Ohne Alternativen fehlt Ihnen jede Verhandlungsmacht, besonders in der Exklusivphase nach dem LOI.
- Steuerstruktur zu spät klären. Share oder Asset Deal, Hälftesteuersatz, Zeitpunkt der Pension: Das gehört vor den LOI.
- Datenraum improvisieren. Fehlende Verträge oder Unterlagen in der Due Diligence führen zu Preisabschlägen und Garantieforderungen.
Checkliste: Unternehmen verkaufen
24–36 Monate vor dem Verkauf
- Übergabe-Readiness ermitteln und Maßnahmenplan erstellen
- Zweite Führungsebene aufbauen, Schlüsselkunden an Mitarbeiter übergeben
- Private und betriebliche Ausgaben sauber trennen
- Kunden-, Miet- und Lieferverträge prüfen und verlängern (Change-of-Control-Klauseln)
- Mit der Steuerberatung Struktur und Zeitpunkt klären (Hälftesteuersatz, Rechtsform)
6–12 Monate vor dem Verkauf
- Unternehmensbewertung bzw. Wertbandbreite einholen
- Bereinigtes EBITDA der letzten drei Jahre und Planung für das laufende und nächste Jahr erstellen
- Entscheidung über den Weg: Börse, Berater oder Off-Market
- Teaser, NDA und Information Memorandum vorbereiten
- Datenraum aufbauen (Gesellschaftsunterlagen, Jahresabschlüsse, Verträge, Mitarbeiterliste anonymisiert, IT, Rechtsstreitigkeiten)
Im Prozess
- Käufer-Long-List definieren und Ausschlussliste (z. B. direkte Mitbewerber) festlegen
- Nur nach NDA offenlegen, sensible Daten erst in späten Phasen
- LOI mit klarer Exklusivitätsfrist unterschreiben
- Kaufvertrag mit Anwalt, Steuerberatung und Notar abstimmen
- Kommunikationsplan für Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten vorbereiten
Wien-Spezifika: Was beim Firmenverkauf in Wien dazukommt
Rund ein Viertel aller Übergaben in Österreich findet in Wien statt, 2024 waren es mehr als 1.900 Betriebe (WK Wien), und bis 2035 kommen in Wien rund 11.600 Arbeitgeberbetriebe mit rund 172.400 Beschäftigten für eine Übernahme in Frage (WK Wien). Für Wiener Unternehmer sind vor allem diese Punkte relevant:
- WK Wien: Beratung für Übergeber, Nachfolgebörse und Leitfäden (WK Wien).
- Betriebsübernahme-Zuschuss der WK Wien: bis zu 10.000 € nicht rückzahlbar für Übernehmer, die einen Betrieb am Standort Wien weiterführen (WK Wien). Das macht Ihren Betrieb für Käufer attraktiver; die Budgetverfügbarkeit sollte vorab geprüft werden.
- Gewerbebehörde: In Wien sind die Magistratischen Bezirksämter zuständig. Der Übernehmer braucht eine eigene Gewerbeberechtigung; Ihre Berechtigung geht nicht automatisch über.
- Geschäftslokale im Altbau: Beim Verkauf des Unternehmens zur Fortführung im selben Lokal tritt der Erwerber in den Hauptmietvertrag ein; der Vermieter kann aber binnen sechs Monaten eine Anhebung auf den angemessenen Hauptmietzins verlangen (§ 12a MRG). Das gehört in die Kaufpreisüberlegung.
Anlaufstellen, Branchen und Bezirke für Wiener Unternehmer finden Sie auf der Seite Firma verkaufen in Wien.
So unterstützt Sie unlistd
unlistd ist ein Off-Market-Marktplatz für Unternehmen in Österreich, mit Partnern aus M&A, Steuer, Recht, Notariat und Bank. Sie erhalten zuerst eine kostenlose Wertbandbreite und entscheiden dann, ob Sie ein anonymes Inserat erstellen oder einen begleiteten Verkauf mit unseren Partnern starten. Ihre Identität wird nur nach NDA und Ihrer ausdrücklichen Freigabe offengelegt.
Der erste Schritt dauert drei Minuten: Der Unternehmenswert-Rechner zeigt, in welcher Bandbreite Käufer Ihr Unternehmen heute sehen.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, ein Unternehmen in Österreich zu verkaufen?
Der eigentliche Verkaufsprozess von den Unterlagen bis zum Closing dauert bei strukturiertem Vorgehen typischerweise 6 bis 12 Monate. Für die Vorbereitung, etwa um die Inhaberabhängigkeit zu senken und die Zahlen aufzubereiten, empfiehlt die WKO bei familienexternen Übergaben drei bis fünf Jahre Vorlauf.
Was kostet ein Unternehmensverkauf?
Den größten Posten bildet meist das Erfolgshonorar des M&A-Beraters: im DACH-Raum üblich sind 3,5 bis 5 % des Kaufpreises, häufig mit einem Mindesthonorar von etwa 50.000 bis 100.000 €. Dazu kommen Steuerberatung, Rechtsberatung, beim GmbH-Anteilsverkauf der Notariatsakt sowie die Einkommen- oder Kapitalertragsteuer auf den Veräußerungsgewinn.
Wie viel Steuer zahle ich beim Verkauf meiner Firma?
Das hängt von der Rechtsform ab. Beim Verkauf eines Einzelunternehmens oder Personengesellschaftsanteils gilt der Einkommensteuertarif, mit Begünstigungen wie Freibetrag (7.300 €), Dreijahresverteilung oder Hälftesteuersatz ab 60. Gewinne aus dem Verkauf von GmbH-Anteilen im Privatvermögen unterliegen dem besonderen Steuersatz von 27,5 %.
Brauche ich für den Verkauf von GmbH-Anteilen einen Notar?
Ja. Die Abtretung von GmbH-Geschäftsanteilen unter Lebenden bedarf in Österreich nach § 76 Abs 2 GmbHG eines Notariatsakts, ebenso eine Vereinbarung über eine künftige Abtretung. Der Notar veranlasst anschließend auch die Eintragung des neuen Gesellschafters im Firmenbuch.
Was ist der Unterschied zwischen Share Deal und Asset Deal?
Beim Share Deal verkaufen Sie die Anteile an der Gesellschaft; Verträge, Mitarbeiter und Haftungen bleiben in der GmbH. Beim Asset Deal kauft der Käufer einzelne Wirtschaftsgüter und den Betrieb; er kann den Firmenwert über 15 Jahre abschreiben, übernimmt aber über § 1409 ABGB und § 14 BAO unter Umständen Haftungen.
Wie finde ich einen Käufer für mein Unternehmen, ohne dass es bekannt wird?
Diskretion entsteht durch einen anonymen Teaser ohne Namen und Adresse, eine Vertraulichkeitsvereinbarung (NDA) vor jeder Offenlegung und eine gezielte Ansprache ausgewählter Käufer statt eines öffentlichen Inserats. Off-Market-Marktplätze wie unlistd zeigen Teaser nur geprüften Käufern, und Sie geben jede Identitätsoffenlegung einzeln frei.
Wie viel ist mein Unternehmen wert?
In Österreich ist das Fachgutachten KFS/BW 1 der Standard für Unternehmensbewertungen; es wurde am 6. November 2025 neu gefasst. In der Praxis plausibilisiert man mit EBITDA-Multiplikatoren, die im DACH-Mittelstand etwa zwischen 4,5x und 11x liegen. Eine erste Bandbreite liefert der Unternehmenswert-Rechner von unlistd.
Kann ich nach dem Verkauf noch im Unternehmen mitarbeiten?
Ja, eine Übergangsphase von einigen Monaten bis zu zwei Jahren ist üblich und für Käufer oft wertsteigernd, weil Kunden- und Mitarbeiterbeziehungen übergeben werden. Achtung beim Hälftesteuersatz: Er setzt unter anderem voraus, dass Sie Ihre Erwerbstätigkeit einstellen; eine geringfügige Tätigkeit ist nach § 37 Abs 5 EStG unschädlich.
Lohnt sich die WKO-Nachfolgebörse oder ein M&A-Berater?
Die WKO-Nachfolgebörse ist kostenlos und hat über 1.000 aktive Inserate, eignet sich aber vor allem für kleinere Betriebe und aktive Selbstsucher. Ab etwa 1 Mio. € Umsatz oder bei sensiblen Kunden- und Mitarbeiterbeziehungen ist ein begleiteter Prozess mit gezielter Käuferansprache meist der bessere Weg, weil Strategen, Family Offices und Beteiligungsgesellschaften selten über offene Börsen kaufen.
Quellen
- 01WKO – 56.600 Betriebe vor Übergabe bis 2035
- 02WKO Factsheet Nachfolge – 7.792 Übernahmen 2024
- 03WK Wien (OTS) – Generationenwechsel in der Wirtschaft: Wien als Hotspot der Betriebsübergaben (Okt. 2025)
- 04WK Wien (OTS) – Unternehmertum muss nicht bei null beginnen (Okt. 2026)
- 05WK Wien – UBIT Übergabe-Consultants: 3–5 Jahre Vorlauf bei familienexterner Übergabe
- 06ChannelPartner – Honorare von M&A-Beratern (DACH)
- 07ICON – Update Fachgutachten KFS/BW 1 (2025/2026)
- 08CT Acquisitions – EBITDA-Multiples DACH-Mittelstand
- 09CT Acquisitions – Umfang Information Memorandum
- 10WK Wien – Nachfolge aus steuerrechtlicher Sicht (Überblick)
- 11§ 24 EStG – Veräußerungsgewinn, Freibetrag 7.300 € (jusline)
- 12§ 37 EStG – Dreijahresverteilung und Hälftesteuersatz (jusline)
- 13§ 76 GmbHG – Notariatsakt bei Anteilsabtretung (jusline)
- 14WKO – Informationspflichten beim Unternehmensübergang (§ 38 UGB, § 1409 ABGB)
- 15Trauner Datenblatt 2026 – Einkommensteuertarif 2026
- 16Preqin – Buy-and-Build: Add-ons über 50 % der PE-Deals H1 2026
- 17trend – Family Offices in Österreich
- 18WKO – Nachfolgebörse: So funktioniert's
- 19WKO – über 1.000 aktive Inserate in der Nachfolgebörse
- 20WK Wien – Weichen stellen für die Nachfolge
- 21§ 12a MRG – Veräußerung eines Unternehmens (jusline)
- 22WK Wien – Richtlinie Betriebsübernahme-Zuschuss
Dieser Beitrag bietet eine allgemeine Orientierung auf Basis der genannten Quellen (Stand 26. Oktober 2026). Für Ihre konkrete Situation stimmen wir die Details gerne mit unserem Partnerkreis aus Steuerberatung, Recht und M&A ab.
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Unternehmenswert-Rechner
Was ist Ihr Unternehmen heute wert?
Wertbandbreite in 3 Minuten, auf Basis aktueller Branchen-Multiples. Ohne Anmeldung, ohne Weitergabe Ihrer Daten.