Leitfaden
Unternehmensbewertung in Österreich: Methoden, KFS/BW 1 und Multiples
Unternehmensbewertung in Österreich: KFS/BW 1 neu, Ertragswert, DCF und EBITDA-Multiples nach Branche, EBITDA-Bereinigung, Zu- und Abschläge. Stand 2026.
- Autor
- Redaktion unlistd
- Geprüft:
- unlistd-Partnerkreis
- Zuletzt aktualisiert:
- 12 Min. Lesezeit
Inhalt
- Wann Sie eine Unternehmensbewertung brauchen
- KFS/BW 1 neu: Was sich 2025/2026 geändert hat
- Ertragswert und DCF: die fachliche Bewertung
- Multiplikatorverfahren: So rechnet der Markt
- EBITDA-Bereinigung: die Basis richtig stellen
- Zu- und Abschläge: was den Multiple bewegt
- Bewertung in den Fokusbranchen: worauf Käufer schauen
- Wert steigern vor dem Verkauf
- Vom Unternehmenswert zum Kaufpreis
- Liquidationswert als Untergrenze
- Wer bewertet, und welche Bewertung brauchen Sie?
- Fünf typische Bewertungsfehler
- Nächster Schritt
Ein Unternehmen ist so viel wert, wie ein informierter Käufer für die künftigen, übertragbaren Erträge zu zahlen bereit ist. Die Bewertung macht diese Zahl nachvollziehbar: für Ihre Preisvorstellung, für Verhandlungen, für die Bank des Käufers und bei Schenkung oder Streit für Finanzamt und Gericht.
Den fachlichen Rahmen in Österreich bildet das Fachgutachten KFS/BW 1. Es wurde am 6. November 2025 neu gefasst und gilt für alle Bewertungen, die nach dem 30. Juni 2026 beauftragt werden (ICON). Am Markt verhandeln Käufer aber fast immer in Multiplikatoren. Wer beides kennt, kann den Preis besser einschätzen und sieht, was den Wert vor dem Verkauf noch verändert.
Wann Sie eine Unternehmensbewertung brauchen
Bewertet wird auch abseits eines Verkaufs. Der Anlass bestimmt Wertmaßstab und Tiefe.
| Anlass | Wer bewertet typischerweise | Tiefe |
|---|---|---|
| Erste Orientierung vor einem Verkauf | Rechner, M&A-Berater | Multiplikator-Bandbreite |
| Verkauf an externe Käufer | M&A-Berater, Wirtschaftsprüfer | Bewertung nach KFS/BW 1 + Marktvergleich |
| Übergabe in der Familie, Schenkung | Steuerberater, Wirtschaftsprüfer | Gutachten (steuerliche und pflichtteilsrechtliche Fragen) |
| Ausscheiden eines Gesellschafters, Streit | Gerichtlich beeidete Sachverständige | Gutachten, oft Schiedswert |
| Management-Buy-out, Mitarbeiterbeteiligung | Wirtschaftsprüfer, Steuerberater | Gutachten mit Finanzierungsprüfung |
| Bankfinanzierung einer Übernahme | Bank + Gutachter des Käufers | Plausibilisierung von Kaufpreis und Cashflow |
KFS/BW 1 neu: Was sich 2025/2026 geändert hat
Das Fachgutachten KFS/BW 1 ist der österreichische Bewertungsstandard der Kammer der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer (KSW). Die Neufassung vom 6. November 2025 ersetzt die Fassung aus 2014 und ist für Bewertungen mit Beauftragung nach dem 30. Juni 2026 anzuwenden (ICON, EY).
| Thema | Bisher (KFS/BW 1 2014) | Neu (KFS/BW 1 2025) |
|---|---|---|
| Wertmaßstäbe | Objektivierter Wert, subjektiver Wert, Schiedswert | Objektivierter Wert, typisierter subjektiver Wert, Marktwert, Schiedswert |
| Subjektiver Wert | Im Anwendungsbereich | Rein subjektiver Wert nicht mehr umfasst |
| Marktwert | Kein eigener Wertmaßstab | Tauschwert unter realen Marktbedingungen; vorrangig aus realisierten Preisen, sonst DCF und Multiplikatoren |
| Planung | Plausibilisierung | Formelle und materielle Plausibilität; materiell getrennt in intern und extern (Abgleich mit Markt und Wettbewerb) |
| KMU-Definition | Orientiert an Größenklassen | Qualitative Kriterien: Inhaberabhängigkeit, wenige Produkte/Kunden, fehlende Planung |
| Übertragbare Ertragskraft | Inhaberbezogene Erträge ausgeklammert | Zusätzlich Erträge aus Schlüsselpersonen, wenn sie ohne deren Mitwirkung nicht fortbestehen |
Quelle: ICON; zum Entwurfsverfahren KPMG.
Für Verkäufer kleiner und mittlerer Unternehmen ist die Neuerung bei der übertragbaren Ertragskraft am wichtigsten. Wenn Ihr bester Vertriebsmitarbeiter die drei größten Kunden persönlich hält und nicht gebunden ist, kann ein Gutachter diese Erträge als nicht übertragbar einstufen. Ansetzen müssen Sie daher vor dem Verkauf: Kundenbeziehungen ans Unternehmen binden, Schlüsselpersonen halten. Die Details beschreibt der Ratgeber KFS/BW 1 neu (2026).
Die vier Wertmaßstäbe in einem Satz
- Objektivierter Unternehmenswert: der Wert bei Fortführung des bestehenden Konzepts, aus Sicht eines typisierten Eigentümers, ohne käuferspezifische Synergien.
- Typisierter subjektiver Unternehmenswert: der Wert für einen bestimmten Investor, aber nur mit Annahmen, die für Dritte nachvollziehbar sind.
- Marktwert: der wahrscheinliche Preis bei einem Verkauf unter realen Marktbedingungen, inklusive eines Fungibilitätsabschlags für nicht börsennotierte Unternehmen.
- Schiedswert: ein fairer Einigungswert zwischen Parteien mit unterschiedlichen Interessen, etwa beim Ausscheiden eines Gesellschafters.
Ertragswert und DCF: die fachliche Bewertung
Ertragswert- und Discounted-Cash-Flow-Verfahren (DCF) sind die Kernmethoden des KFS/BW 1. Beide diskontieren künftige finanzielle Überschüsse auf den Bewertungsstichtag ab; bei konsistenten Annahmen führen sie zum gleichen Ergebnis.
| Merkmal | Ertragswertverfahren | DCF-Verfahren (WACC-Ansatz) |
|---|---|---|
| Was wird abgezinst | Ausschüttbare Überschüsse an die Eigentümer | Freie Cashflows an alle Kapitalgeber |
| Zinssatz | Eigenkapitalkosten | Gewichtete Kapitalkosten (WACC) |
| Ergebnis | Direkt Wert des Eigenkapitals | Gesamtunternehmenswert, danach minus Nettofinanzverschuldung |
| Stärke | Anschaulich für KMU, nah an der Ausschüttungslogik | International üblich, transparent bei Finanzierungsfragen |
| Kritischer Punkt | Ausschüttungsannahmen | Kapitalstruktur, Annahmen für die ewige Rente |
Die Basis jeder Ertrags- oder DCF-Bewertung ist eine integrierte Planung (Erfolgs-, Bilanz- und Finanzplanung) für drei bis fünf Jahre plus eine nachhaltige Phase. Bei KMU verlangt die Neufassung besondere Sorgfalt bei der Trennung von betrieblicher und privater Sphäre, beim kalkulatorischen Unternehmerlohn, bei der Lebensdauer und bei den Eigenkapitalkosten (ICON).
Eine Planung, die deutlich steiler wächst als die Vergangenheit, muss zu Markt und Wettbewerb passen. Sonst kürzen Gutachter und Käufer sie.
Multiplikatorverfahren: So rechnet der Markt
Beim Multiplikatorverfahren wird eine Ergebnisgröße mit einem Faktor multipliziert, der aus vergleichbaren Transaktionen abgeleitet ist. Im KMU-Bereich dominiert das Vielfache des bereinigten EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen).
Formel: Unternehmenswert = bereinigtes EBITDA × Branchenmultiple × (1 + Zu-/Abschläge) – Nettofinanzverschuldung = Kaufpreis für das Eigenkapital (Equity Value).
Im DACH-Mittelstand liegen EBITDA-Multiples etwa zwischen 4,5x (Micro-Cap Handwerk) und 11x (Upper Lower Mid-Market) (CT Acquisitions). Kleinere Unternehmen erzielen systematisch niedrigere Multiples, weil Risiko und Inhaberabhängigkeit höher sind und weniger professionelle Käufer im Wettbewerb stehen.
In manchen Branchen rechnet der Markt mit dem Umsatz statt mit dem EBITDA:
- Versicherungsmakler: Käufer zahlten in einer Umfrage unter Maklern in Deutschland und Österreich im Schnitt 1,8 Jahrescourtagen (Sach/Unfall ohne Kfz), bei einem durchschnittlichen Kaufpreis von rund 350.000 € (Versicherungsbote).
- Steuerberatungs- und Buchhaltungskanzleien: Die Faustformel aus der Praxis lautet 0,8 bis 1,2 Jahres-Honorarumsätze (Haufe).
Multiples nach Branche (unlistd-Richtwerte, Stand Oktober 2026)
Die folgenden Bandbreiten sind die Startwerte des unlistd-Rechners. Sie beruhen auf veröffentlichten DACH-Bandbreiten, werden mit M&A-Partnern validiert und quartalsweise aktualisiert. Sie sind unverbindliche Orientierung und ersetzen keine Bewertung nach KFS/BW 1.
| Branche | Basis | Niedrig | Mittel | Hoch |
|---|---|---|---|---|
| Software / SaaS | EBITDA | 7,0x | 9,0x | 12,0x |
| IT-Dienstleister / Managed Services | EBITDA | 5,5x | 7,0x | 9,0x |
| Gesundheit & Pflege-nahe Dienstleistungen | EBITDA | 6,0x | 7,5x | 9,5x |
| Versicherungsmakler | Jahrescourtage | 1,4x | 1,8x | 2,5x |
| Versicherungsmakler | EBITDA | 5,0x | 6,5x | 8,5x |
| Steuerberatung & Buchhaltung | Honorarumsatz | 0,8x | 1,0x | 1,2x |
| Steuerberatung & Buchhaltung | EBITDA | 5,0x | 6,0x | 7,5x |
| Hausverwaltung | EBITDA | 5,0x | 6,5x | 8,0x |
| Energie & PV-Installation | EBITDA | 5,0x | 6,5x | 8,0x |
| Produktion & Industrie | EBITDA | 5,0x | 6,0x | 7,5x |
| Bildung & Training | EBITDA | 5,0x | 6,0x | 7,5x |
| Gebäudetechnik (HKLS, Elektro, Gebäudehülle) | EBITDA | 4,5x | 5,5x | 7,0x |
| B2B-Dienstleistungen (Facility, Reinigung, Sicherheit) | EBITDA | 4,5x | 5,5x | 7,0x |
| Transport & Logistik | EBITDA | 4,5x | 5,5x | 6,5x |
| Groß- und Einzelhandel | EBITDA | 4,0x | 5,0x | 6,5x |
| Bau & Baunebengewerbe | EBITDA | 4,0x | 5,0x | 6,0x |
| Gastronomie & Hotellerie | EBITDA | 2,5x | 3,5x | 4,5x |
| Sonstige Branche | EBITDA | 4,0x | 5,0x | 6,5x |
Die laufend aktualisierte Fassung mit Methodik finden Sie im Multiples-Report Österreich. Warum IT-Dienstleister am oberen Ende liegen, erklärt der Ratgeber IT-Firma verkaufen: Monatliche Wartungs- und Managed-Service-Verträge sind planbar, und Buy-and-Build-Plattformen kaufen aktiv zu. Add-on-Käufe machten im ersten Halbjahr 2026 mehr als die Hälfte aller weltweiten Private-Equity-Deals aus (Preqin).
EBITDA-Bereinigung: die Basis richtig stellen
Ein Multiple ist nur so gut wie das EBITDA, auf das es angewendet wird. Das ausgewiesene EBITDA eines inhabergeführten Unternehmens enthält fast immer Effekte, die ein Käufer nicht übernimmt. Die Bereinigung (Normalisierung) stellt das nachhaltige Ergebnis dar, in beide Richtungen.
| Bereinigungsposten | Richtung | Typisches Beispiel |
|---|---|---|
| Geschäftsführerbezug nicht marktüblich | meist – | Inhaber bezieht 60.000 €, eine fremde Geschäftsführung kostet 130.000 € |
| Private Aufwendungen im Betrieb | + | Privat genutzte Fahrzeuge, Reisen, Versicherungen |
| Familienangehörige ohne Gegenleistung | + | Gehalt ohne entsprechende Tätigkeit |
| Miete an den Inhaber | ± | Betriebsliegenschaft gehört dem Inhaber, Miete über oder unter Markt |
| Einmalige Aufwände | + | Rechtsstreit, Umzug, Schadensfall, Beratung zum Verkauf |
| Einmalige Erträge | – | Anlagenverkauf, Versicherungsentschädigung, Förderung |
| Unterlassene Investitionen oder Instandhaltung | – | Käufer muss nachholen |
| Auslaufende Großaufträge | – | Projekt, das nicht wiederkehrt |
Jede Bereinigung muss belegbar sein. Was Sie nicht mit Buchungen, Verträgen oder Rechnungen nachweisen können, streicht der Käufer in der Due Diligence.
Zu- und Abschläge: was den Multiple bewegt
Zwei Unternehmen mit gleichem EBITDA in derselben Branche können sehr unterschiedlich viel wert sein. Die folgenden Zu- und Abschläge verwendet der unlistd-Rechner als Startwerte; sie werden mit unseren M&A-Partnern laufend validiert.
| Werttreiber | Ausprägung | Zu-/Abschlag (Startwert) | Warum |
|---|---|---|---|
| Inhaberabhängigkeit | hoch | −15 % | Ertragskraft nur teilweise übertragbar (KFS/BW 1 neu) |
| Kundenkonzentration | größter Kunde über 30 % des Umsatzes | −10 % | Klumpenrisiko, Verhandlungsmacht des Kunden |
| Wiederkehrende Umsätze | über 50 % vertraglich wiederkehrend | +10 % | Planbarkeit, höhere Finanzierbarkeit |
| Wachstum | über 10 % pro Jahr | +10 % | Höherer Ertrag in der Zukunft |
| Unternehmensgröße | bereinigtes EBITDA unter 250.000 € | −1,0x auf das Multiple | Höheres Risiko, kleinerer Käuferkreis |
Weitere Faktoren, die Käufer und Gutachter einpreisen: Qualität des Managements unter dem Inhaber, Fachkräftesituation, Zustand von IT und Anlagen, Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten, Laufzeit des Mietvertrags, rechtliche Risiken.
Rechenbeispiel: Gebäudetechnik-Betrieb in Wien
| Schritt | Betrag |
|---|---|
| Ausgewiesenes EBITDA | 480.000 € |
| + Einmalige Kosten eines Rechtsstreits | + 40.000 € |
| + Private Fahrzeug- und Reisekosten | + 25.000 € |
| − Mehrkosten marktüblicher Geschäftsführer (130.000 € statt 60.000 €) | − 70.000 € |
| − Miete an den Inhaber unter Marktniveau | − 15.000 € |
| Bereinigtes EBITDA | 460.000 € |
| × Branchenmultiple Gebäudetechnik (mittel) | 5,5x = 2.530.000 € |
| Zu-/Abschläge: Inhaberabhängigkeit hoch (−15 %), Wartungsverträge über 50 % (+10 %) | −5 % = 2.403.500 € |
| − Nettofinanzverschuldung | − 300.000 € |
| Equity Value (Mittelwert) | rund 2,1 Mio. € |
Mit dem niedrigen (4,5x) und hohen Multiple (7,0x) ergibt sich eine Bandbreite für den Equity Value von rund 1,67 bis 2,76 Mio. €. Dieselbe Rechnung führt der Unternehmenswert-Rechner mit Ihren Zahlen durch.
Bewertung in den Fokusbranchen: worauf Käufer schauen
Innerhalb jeder Branche bestimmen wenige Kennzahlen, ob ein Unternehmen am unteren oder oberen Ende der Bandbreite landet.
| Branche | Kennzahlen, die den Wert treiben | Typische Abschlagsgründe |
|---|---|---|
| IT-Dienstleister / Managed Services | Anteil Managed-Service-Verträge, Kündigungsquote, Umsatz je Techniker, Zertifizierungen | Projektlastiges Geschäft, Abhängigkeit von einem Hersteller, Inhaber als einziger Senior-Techniker |
| Versicherungsmakler | Jahrescourtage nach Sparten, Stornoquote, Altersstruktur der Kunden, Anteil Gewerbekunden | Hoher Kfz-Anteil, Bestand an Inhaberperson gebunden, fehlende Dokumentation |
| Steuerberatung & Buchhaltung | Honorarumsatz je Mandant, Mandantentreue, Digitalisierungsgrad, Mitarbeiterstruktur | Mandanten persönlich an den Inhaber gebunden, berufsrechtliche Hürden für Käufer |
| Gebäudetechnik | Wartungsverträge, Auftragsbestand, Anteil Sanierung und Energiewende, Fachkräfte | Abhängigkeit von Großbaustellen, fehlende Meister im Team |
| Gesundheit & Pflege-nahe Dienste | Verträge mit Sozialversicherung und Ländern, Auslastung, Qualifikation des Personals | Regulatorische Risiken, Personalengpässe |
Wert steigern vor dem Verkauf
Mit zwei bis drei Jahren Vorlauf lassen sich die wichtigsten Treiber gezielt verbessern.
| Hebel | Maßnahme | Wirkung in der Bewertung |
|---|---|---|
| Inhaberabhängigkeit senken | Zweite Führungsebene, Kundenbetreuung durch Mitarbeiter, dokumentierte Prozesse | Höhere übertragbare Ertragskraft, Wegfall des Abschlags |
| Wiederkehrende Umsätze ausbauen | Wartungs-, Service- und Rahmenverträge statt Einzelaufträge | Zuschlag, bessere Finanzierbarkeit für Käufer |
| Kundenkonzentration reduzieren | Neukunden gewinnen, Großkunden vertraglich binden | Wegfall des Klumpenabschlags |
| Zahlen professionalisieren | Monatliches Reporting, integrierte Planung, saubere Trennung privat/betrieblich | Plausible Planung nach KFS/BW 1, weniger Diskussion in der Due Diligence |
| Schlüsselpersonen binden | Beteiligungs- oder Bonusmodelle, Verträge mit Kündigungsfristen | Ertragsbeiträge gelten als übertragbar |
Vom Unternehmenswert zum Kaufpreis
Der Bewertungsstichtag liefert einen Wert, der Kaufvertrag einen Preis. Dazwischen liegen drei Mechanismen, die Verkäufer oft unterschätzen.
- Nettofinanzverschuldung: Bankkredite, Gesellschafterdarlehen, Leasing und teils Rückstellungen (z. B. Abfertigungen) werden abgezogen, freie Liquidität hinzugerechnet.
- Working Capital: Käufer erwarten ein branchenübliches Umlaufvermögen. Liegt es am Stichtag darunter, sinkt der Preis.
- Struktur: Ein Teil des Preises kann als Earn-out an künftige Ergebnisse geknüpft oder als Verkäuferdarlehen gestundet werden. Der Nominalpreis steigt dadurch oft, das Risiko liegt aber bei Ihnen.
Auch die Transaktionsform wirkt auf den Preis: Beim Asset Deal kann der Käufer den Firmenwert über 15 Jahre abschreiben (WK Wien), beim Share Deal grundsätzlich nicht. Dieser Steuervorteil ist für den Käufer Geld wert.
Liquidationswert als Untergrenze
Der Substanzwert, also Vermögensgegenstände minus Schulden, ist für fortgeführte Unternehmen kein eigenständiger Wertmaßstab. Relevant bleibt der Liquidationswert: Liegt er über dem Fortführungswert, ist die Auflösung wirtschaftlich sinnvoller als der Verkauf. Das betrifft vor allem ertragsschwache Betriebe mit wertvoller Liegenschaft.
Wer bewertet, und welche Bewertung brauchen Sie?
| Form | Wer | Wofür geeignet |
|---|---|---|
| Online-Bandbreite | unlistd-Rechner | Erste Orientierung, Entscheidung über den nächsten Schritt |
| Kurzbewertung | M&A-Berater, Bewertungsexperten | Preisvorstellung, Teaser, Gespräch mit Käufern |
| Gutachten nach KFS/BW 1 | Wirtschaftsprüfer, Steuerberater | Schenkung, Gesellschafterstreit, MBO, Bank, Gericht |
| Fairness Opinion | Wirtschaftsprüfer | Absicherung von Organen bei größeren Transaktionen |
Für einen Verkauf an Dritte reicht oft eine fundierte Kurzbewertung, die sich an KFS/BW 1 orientiert und mit Marktmultiples plausibilisiert ist. Ein vollständiges Gutachten ist sinnvoll, wenn mehrere Gesellschafter mit unterschiedlichen Interessen beteiligt sind oder die Übergabe innerhalb der Familie erfolgt.
Fünf typische Bewertungsfehler
- Umsatz statt Ergebnis bewerten. Außer bei Maklern und Kanzleien zählt das nachhaltige Ergebnis, nicht der Umsatz.
- Vergangene Arbeit einpreisen. Käufer bezahlen nur künftige, übertragbare Erträge, nicht die Jahre, die Sie investiert haben.
- Bereinigungen nur nach oben. Käufer bereinigen auch nach unten, etwa um einen marktüblichen Geschäftsführerbezug.
- Börsenmultiples verwenden. Multiples börsennotierter Konzerne sind für ein Wiener KMU mit 500.000 € EBITDA nicht anwendbar.
- Den Wert mit dem Preis verwechseln. Wert ist eine Bandbreite; der Preis entsteht im Wettbewerb mehrerer Käufer.
Nächster Schritt
Die Bewertung ist die Grundlage für die Entscheidung, ob, wann und an wen Sie verkaufen. Brauchen Sie mehr als eine Bandbreite, vermittelt unlistd geprüfte Bewertungs- und M&A-Partner. Wie die Bewertung in den gesamten Verkaufsprozess eingebettet ist, zeigt der Leitfaden Unternehmen verkaufen in Österreich.
Starten Sie mit Ihrer Branche und Ihrem bereinigten EBITDA im Unternehmenswert-Rechner. Das Ergebnis sehen Sie sofort, ohne Formular.
Häufige Fragen
Welche Methode ist in Österreich für die Unternehmensbewertung maßgeblich?
Maßgeblich ist das Fachgutachten KFS/BW 1 des Fachsenats für Betriebswirtschaft der Kammer der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Es sieht Ertragswert- und DCF-Verfahren vor; beide führen bei gleichen Annahmen zum selben Ergebnis. Multiplikatoren dienen der Plausibilisierung und seit der Neufassung auch der Ermittlung des Marktwerts, wenn keine realisierten Vergleichspreise vorliegen.
Was ist neu am KFS/BW 1 2025/2026?
Das Fachgutachten wurde am 6. November 2025 neu gefasst und ersetzt die Fassung aus 2014. Neu sind der Marktwert als eigener Wertmaßstab und der typisierte subjektive Unternehmenswert; der rein subjektive Wert fällt aus dem Anwendungsbereich. Für KMU wird die übertragbare Ertragskraft betont, inklusive des Beitrags von Schlüsselpersonen.
Ab wann gilt das neue KFS/BW 1?
Die Neufassung ist für Bewertungen anzuwenden, die nach dem 30. Juni 2026 beauftragt werden. Eine frühere Anwendung war zulässig. Für Bewertungen, die heuer im Herbst beauftragt werden, gilt damit bereits die neue Fassung.
Welches EBITDA-Multiple ist für mein Unternehmen realistisch?
Im DACH-Mittelstand liegen EBITDA-Multiples etwa zwischen 4,5x für kleine Handwerksbetriebe und 11x im oberen Lower Mid-Market. Die unlistd-Richtwerte reichen je nach Branche von 2,5x bis 4,5x in der Gastronomie bis 7x bis 12x bei Software. Entscheidend sind Größe, wiederkehrende Umsätze, Inhaberabhängigkeit und Wachstum.
Was bedeutet EBITDA-Bereinigung?
Bei der Bereinigung wird das ausgewiesene EBITDA um Effekte korrigiert, die ein Käufer nicht übernimmt oder die nicht nachhaltig sind: etwa ein nicht marktüblicher Geschäftsführerbezug, private Aufwendungen, Einmalkosten oder Mieten an den Inhaber unter oder über Marktniveau. Das bereinigte EBITDA ist die Basis für den Multiplikator.
Was ist der Unterschied zwischen Unternehmenswert und Kaufpreis?
Der Unternehmenswert (Enterprise Value) bewertet das operative Geschäft unabhängig von der Finanzierung. Der Kaufpreis für die Anteile (Equity Value) ergibt sich, indem man Finanzverbindlichkeiten abzieht und überschüssige liquide Mittel hinzurechnet. Der tatsächlich bezahlte Preis ist schließlich das Ergebnis der Verhandlung.
Was kostet eine Unternehmensbewertung?
Eine Kurzbewertung mit Multiplikatoren ist deutlich günstiger als ein vollständiges Gutachten nach KFS/BW 1, dessen Honorar von Größe, Datenlage und Anlass abhängt. Eine erste kostenlose Wertbandbreite liefert der Unternehmenswert-Rechner von unlistd; für Gericht, Finanzamt oder Gesellschafterstreit braucht es ein Gutachten von Wirtschaftsprüfern oder Steuerberatern.
Wie stark mindert Inhaberabhängigkeit den Unternehmenswert?
Deutlich. Die Neufassung des KFS/BW 1 rechnet Ertragsbeiträge, die ohne den Inhaber oder Schlüsselpersonen nicht weiterlaufen, nicht zur übertragbaren Ertragskraft. Im Rechner setzen wir bei hoher Inhaberabhängigkeit einen Startwert von minus 15 % an; Käufer reagieren oft zusätzlich mit Earn-out-Strukturen.
Gilt der Substanzwert noch?
Der Substanzwert hat als eigenständige Methode keine Bedeutung für fortgeführte, ertragsstarke Unternehmen. Relevant bleibt der Liquidationswert als Untergrenze: Liegt er über dem Ertragswert, wäre die Auflösung wirtschaftlich sinnvoller als die Fortführung.
Quellen
- 01ICON – Update Fachgutachten KFS/BW 1 (Neufassung 6. November 2025)
- 02EY Österreich – KFS/BW 1: Neuerungen in der Unternehmensbewertung
- 03KPMG Österreich – Entwurf des neuen KFS/BW 1 veröffentlicht
- 04CT Acquisitions – EBITDA-Multiples DACH-Mittelstand
- 05Versicherungsbote – Studie Bestandsverkauf Versicherungsmakler (DE/AT)
- 06Haufe – Wert der Steuerkanzlei (Faustformel Honorarumsatz)
- 07WK Wien – Nachfolge aus steuerrechtlicher Sicht (Firmenwert-Abschreibung 15 Jahre)
- 08Preqin – Buy-and-Build gains ground in Private Equity (H1 2026)
Dieser Beitrag bietet eine allgemeine Orientierung auf Basis der genannten Quellen (Stand 26. Oktober 2026). Für Ihre konkrete Situation stimmen wir die Details gerne mit unserem Partnerkreis aus Steuerberatung, Recht und M&A ab.
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