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Versicherungsmakler-Bestand verkaufen: Bewertung und Käufer

Maklerbestand verkaufen in Österreich: Wie viele Jahrescourtagen Käufer zahlen, was den Faktor treibt, Datenschutz, Kundenzustimmung, Käufer.

Geprüft:
unlistd-Partnerkreis
Zuletzt aktualisiert:
6 Min. Lesezeit
Inhalt
  1. Wie Maklerbestände bewertet werden
  2. Bestandsverkauf oder Firmenverkauf?
  3. Rechtliche Punkte, die Sie früh klären sollten
  4. Wer Maklerbestände in Österreich kauft
  5. Rechenbeispiel: Bestand eines Wiener Einzelmaklers
  6. Vorbereitung in fünf Schritten
  7. Alternativen zum Komplettverkauf
  8. Realistischer Zeitplan
  9. Kundenkommunikation
  10. Wie unlistd Makler unterstützt

Für viele Versicherungsmakler ist der Kundenbestand der größte Vermögenswert. Er bringt jedes Jahr Courtage, ohne dass jeder Vertrag neu verkauft werden muss. Deshalb interessieren sich Maklergruppen, Konsolidierer und Investoren für Bestände, und deshalb sollten Sie den Verkauf früh vorbereiten.

Dieser Beitrag erklärt, wie Maklerbestände in Österreich bewertet werden, was den Faktor nach oben oder unten treibt, welche rechtlichen Punkte zu beachten sind und wer heute kauft.

Wie Maklerbestände bewertet werden

Die übliche Bezugsgröße ist die Jahrescourtage, also die Summe der jährlich wiederkehrenden Vergütungen der Versicherer für den Bestand. Größere Maklerhäuser mit eigener Organisation werden zusätzlich nach EBITDA bewertet.

Bezugsgröße Niedrig Mittel Hoch Quelle
× Jahrescourtage 1,4x 1,8x 2,5x unlistd-Richtwerte, gestützt auf Umfrage DE/AT
× bereinigtes EBITDA (Maklerhaus) 5,0x 6,5x 8,5x unlistd-Richtwerte
Ø gezahlter Faktor Sach/Unfall ohne Kfz – rund 1,8x – Versicherungsbote
Ø Kaufpreis eines Bestands – rund 350.000 € – Versicherungsbote

Alle Branchen-Richtwerte und die Methodik finden Sie unter EBITDA-Multiples Österreich.

Was den Faktor treibt

Merkmal Wirkung Warum
Spartenmix Gewerbe- und Sachbestände höher, Kfz-lastige Bestände niedriger Kfz-Verträge werden häufiger gewechselt und sind preisgetrieben
Stornoquote niedrig = höher zeigt Kundenbindung
Alter der Kunden jüngere Kunden = höher längere Restlaufzeit der Kundenbeziehung
Dokumentation vollständige Maklervollmachten, Beratungsprotokolle, digitale Akten Übertragbarkeit, Haftungsrisiko
Kundenkonzentration wenige Großkunden = niedriger Klumpenrisiko
Ihre Bindung an die Kunden sehr persönlich = niedriger, außer Sie begleiten die Übergabe Abwanderungsrisiko
Versichererverteilung breit verteilt = höher Abhängigkeit von einzelnen Courtagezusagen

Bestandsverkauf oder Firmenverkauf?

Es gibt zwei grundlegende Wege, die sich rechtlich und steuerlich unterscheiden.

Bestandsübertragung (Asset Deal) Verkauf der Maklergesellschaft (Share Deal)
Typisch für Einzelunternehmer, Teilbestände Makler-GmbH
Was übergeht Kundenbestand, Courtageansprüche, ggf. Mitarbeiter die ganze Gesellschaft mit Verträgen, Zulassungen, Mitarbeitern
Kundenmitwirkung in der Praxis meist erforderlich Maklerverträge bleiben bei der Gesellschaft
Formvorschrift schriftlicher Vertrag Notariatsakt für GmbH-Anteile
Steuer für Sie (natürliche Person) Veräußerungsgewinn, ggf. Freibetrag, Dreijahresverteilung, Hälftesteuersatz 27,5 % auf den Gewinn aus Anteilen

Für Einzelunternehmer ab 60, die ihre Erwerbstätigkeit einstellen, kann der Hälftesteuersatz die Steuerlast spürbar senken. Die Unterschiede beider Wege erklärt der Beitrag Share Deal oder Asset Deal.

Rechtliche Punkte, die Sie früh klären sollten

Datenschutz und Kundenzustimmung. Versicherungsmakler sind datenschutzrechtlich in der Regel eigenständige Verantwortliche; die Datenschutzbehörde hat dafür eigene Verhaltensregeln genehmigt, die auch auf Besonderheiten aus Maklergesetz und Versicherungsvertragsgesetz verweisen (DSB). Bei einer Bestandsübertragung wechseln Kundendaten und die Betreuung zu einem anderen Verantwortlichen. Dafür braucht es eine tragfähige Grundlage, in der Praxis meist die Information und Mitwirkung oder Zustimmung der Kunden. Die WKO empfiehlt, Einwilligungen gesondert vom Maklervertrag einzuholen (WKO).

Maklervollmachten und Courtagezusagen. Prüfen Sie, ob Ihre Vollmachten eine Übertragung vorsehen und ob die Versicherer die Courtage an den neuen Makler weiterzahlen. Ohne Courtagezusage beim Käufer ist der Bestand für ihn wenig wert.

Gewerbeberechtigung. Der Käufer braucht eine eigene Berechtigung als Versicherungsmakler. Beim Share Deal muss die Gesellschaft weiterhin einen geeigneten gewerberechtlichen Geschäftsführer haben.

Haftung für Beratungsfehler. Klären Sie im Vertrag, wer für Beratungsfehler aus der Zeit vor der Übertragung haftet, und halten Sie Ihre Vermögensschadenhaftpflicht für die Nachhaftung aufrecht.

Wer Maklerbestände in Österreich kauft

Die Konsolidierung im europäischen Maklermarkt ist auch in Österreich angekommen.

  • ASSEPRO Austria (Ardonagh-Gruppe): übernahm im Dezember 2024 Seipt & Partner und im September 2025 Matschnigg & Seipt, um das KMU-Geschäft in Wien und Umgebung zu stärken (Binder Grösswang).
  • Summitas: Konsolidierungsplattform von JDC, Bain Capital und Canada Life mit dem Ziel, etablierte Makler in Deutschland und Österreich zu übernehmen (cash-online).
  • Buy-and-Build-Gruppen im DACH-Raum wie ATTIKON, die laut ihrer Beratungskanzlei über 20 Transaktionen umgesetzt hat (Rödl).
  • Größere regionale Maklerbüros, die Bestände zukaufen, um Skaleneffekte zu nutzen, und Maklerpools.

Mehr zu Käufern und Marktentwicklung lesen Sie auf der Branchenseite Versicherungsmakler verkaufen.

Rechenbeispiel: Bestand eines Wiener Einzelmaklers

Ein 63-jähriger Einzelmakler in Wien betreut rund 900 Kunden. Die Jahrescourtage beträgt 240.000 €, davon 65 % aus Sach- und Gewerbebeständen, 20 % Kfz, 15 % Kranken und Unfall. Die Stornoquote ist niedrig, die Akten sind digital.

Schritt Wert
Jahrescourtage 240.000 €
Faktor (mittlere Qualität, leicht über Schnitt wegen Gewerbeanteil) 1,9x
Rechnerischer Kaufpreis 456.000 €
davon bei Übertragung (70 %) 319.200 €
davon nach 24 Monaten, abhängig von der tatsächlich übergegangenen Courtage (30 %) bis 136.800 €

Begleitet der Makler die Übergabe ein Jahr lang persönlich, etwa mit gemeinsamen Kundengesprächen, sinkt das Abwanderungsrisiko und damit der variable Anteil. Das Rechenbeispiel ist vereinfacht und keine Bewertung im Einzelfall.

Vorbereitung in fünf Schritten

  1. Bestand analysieren: Courtage nach Sparten, Versicherern, Kundengruppen und Alter der Kunden aufbereiten.
  2. Dokumentation vervollständigen: Vollmachten, Beratungsprotokolle, Schriftverkehr digital und vollständig.
  3. Datenschutz klären: Einwilligungen und Informationsschreiben vorbereiten, mit Anwalt abstimmen.
  4. Struktur wählen: Bestand oder Gesellschaft, mit Steuerberater rechnen.
  5. Käufer diskret ansprechen: mit anonymem Teaser und NDA statt über Gespräche unter Mitbewerbern.

Alternativen zum Komplettverkauf

Nicht jeder Makler will oder kann seinen Bestand auf einmal verkaufen. Je nach Lebensplanung kommen andere Modelle infrage.

Modell Wie es funktioniert Für wen geeignet
Schrittweiser Verkauf Teilbestände (etwa Kfz oder Privatkunden) zuerst, Gewerbe später Makler, die noch einige Jahre arbeiten wollen
Nachfolger aus dem Team Mitarbeiter kauft Anteile über mehrere Jahre, oft mit Verkäuferdarlehen Büros mit qualifizierter zweiter Reihe
Kooperation mit späterem Kaufrecht Größerer Makler übernimmt Service, Kaufoption nach drei bis fünf Jahren Einzelmakler, die Entlastung suchen
Verkauf gegen laufende Beteiligung an der Courtage Bestand geht über, Verkäufer erhält über Jahre einen Anteil der Courtage Makler, denen laufendes Einkommen wichtiger ist als ein Einmalbetrag
Verkauf der Makler-GmbH an eine Gruppe Share Deal, Verkäufer bleibt auf Zeit Geschäftsführer Makler-GmbHs mit eigenem Team

Welches Modell steuerlich günstiger ist, hängt davon ab, ob Sie als Einzelunternehmer oder über eine GmbH tätig sind und ob Sie Ihre Tätigkeit einstellen. Laufende Courtage-Beteiligungen werden anders besteuert als ein Einmalbetrag; lassen Sie das vor der Entscheidung durchrechnen.

Realistischer Zeitplan

Phase Dauer Inhalt
Vorbereitung 3–12 Monate Bestandsanalyse, Dokumentation, Datenschutz, Strukturentscheidung
Käufersuche 2–6 Monate anonymer Teaser, NDA, Gespräche, indikative Angebote
Prüfung und Vertrag 2–4 Monate Due Diligence des Bestands, Kaufvertrag, Courtagezusagen
Übertragung 1–3 Monate Kundeninformation, Einverständnisse, Umstellung bei Versicherern
Übergangsbetreuung 6–24 Monate gemeinsame Kundengespräche, variable Kaufpreisteile

Wer mit 60 an den Verkauf denkt und mit 65 in Pension gehen will, ist gut im Zeitplan. Wer erst kurz vor dem gewünschten Ausstieg beginnt, verkauft meist unter Zeitdruck und mit höherem variablem Anteil.

Kundenkommunikation

Ob der Bestand seinen Wert hält, zeigt sich, wenn die Kunden vom Wechsel erfahren. Bewährt hat sich ein gemeinsames Schreiben von Verkäufer und Käufer, das den Grund erklärt, die neue Ansprechperson vorstellt und zusagt, dass sich an Verträgen und Konditionen nichts ändert. Wichtige Gewerbekunden sollten persönlich informiert werden, idealerweise in einem gemeinsamen Termin. Stimmen Sie Formulierungen und Zeitpunkt mit dem Anwalt ab, damit die datenschutzrechtliche Grundlage für den Übergang sauber dokumentiert ist.

Wie unlistd Makler unterstützt

Bei unlistd inserieren Sie Ihren Bestand anonym, mit Courtage-Bandbreite statt Kundennamen. Sichtbar ist er nur für verifizierte Käufer mit Plattform-NDA; wer Details will, unterzeichnet ein Deal-NDA, und Sie entscheiden über jede Freigabe. Eine erste Wertindikation liefert der Unternehmenswert-Rechner.

Häufige Fragen

Wie viel ist mein Maklerbestand wert?

Als Faustformel: Jahrescourtage mal 1,4 bis 2,5. Eine Umfrage unter Maklern in Deutschland und Österreich ergab im Schnitt rund 1,8 Jahrescourtagen für Sach- und Unfallbestände ohne Kfz. Gewerbliche, gut dokumentierte Bestände mit niedriger Stornoquote und jüngeren Kunden liegen darüber, kleine Privatkundenbestände mit hohem Kfz-Anteil darunter.

Brauche ich die Zustimmung meiner Kunden für den Bestandsverkauf?

Weil Maklervertrag und Kundendaten personenbezogen sind, braucht ein Wechsel des Maklers in der Praxis eine tragfähige rechtliche Grundlage, häufig die Mitwirkung oder Zustimmung der Kunden. Die Verhaltensregeln der Datenschutzbehörde für Versicherungsmakler und die WKO-Musterbausteine geben Orientierung; die konkrete Gestaltung sollte ein Anwalt prüfen.

Soll ich den Bestand oder die ganze Maklerfirma verkaufen?

Ist Ihre Maklertätigkeit in einer GmbH gebündelt, ist der Verkauf der Anteile oft einfacher, weil Maklerverträge und Courtagezusagen bei der Gesellschaft bleiben. Als Einzelunternehmer verkaufen Sie meist den Bestand im Wege eines Asset Deals; dafür können steuerliche Begünstigungen wie Freibetrag oder Hälftesteuersatz greifen.

Wird der Kaufpreis auf einmal bezahlt?

Häufig nicht vollständig. Viele Käufer zahlen einen Teil bei Übertragung und einen Teil nach ein bis zwei Jahren, abhängig davon, wie viel Courtage tatsächlich beim Käufer ankommt. Das schützt den Käufer vor Kundenabwanderung; für Sie ist eine klare Messgröße und eine Untergrenze wichtig.

Wer kauft Maklerbestände in Österreich?

Größere Maklerhäuser, internationale Maklergruppen und Konsolidierungsplattformen mit Private-Equity-Hintergrund. Ein Beispiel ist ASSEPRO Austria, Teil der Ardonagh-Gruppe, die 2024 Seipt & Partner und 2025 Matschnigg & Seipt in Wien übernommen hat.

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